Immer weniger junge Menschen ergreifen technische Berufe in Medizin und Pharmazie

Während in der Politik der Mangel an Ärzten, Pflegekräften und Hebammen sowie zunehmend auch das Apothekensterben als lösungsbedürftig gesehen werden, bleibt ein mindestens ebenso großes Problem weitestgehend unbeachtet. Denn die Zahl der jungen Menschen, die sich für einen technischen Beruf im Gesundheitssystem entscheiden, nimmt trotz steigenden Bedarfs Jahr für Jahr dramatisch ab. Darauf weisen der DVTA - Dachverband für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland e.V. und der Bundesverband Pharmazeutisch technischer AssistentInnen (BVpta) hin.

Noch sorgen rund 222.000 Technische AssistentInnen im Gesundheitswesen (Stand: 31.12.2016) dafür, dass die Versorgung der Patienten reibungslos läuft. Ohne sie ginge in Arztpraxen, Apotheken, Laboratorien, der Funktionsdiagnostik und der Radiologie schon lange nichts mehr. Sind aber Stellen für Technische AssistentInnen (TA) neu zu besetzen, suchen potenzielle Arbeitgeber oft vergebens.

Die Gründe sind seit langem bekannt: Zum einen erfolgt die Ausbildung für die TA-Berufe mit wenigen Ausnahmen nicht an staatlichen Schulen. Während die Gesellschaft über Steuermittel die Kosten für die Ausbildung neuer Ärzte, Zahnärzte und Apotheker in voller Höhe übernimmt, müssen die künftigen TA also dafür selbst Schulgeld bezahlen. Zum anderen sind die Ausbildungsgrundlagen zum Teil völlig überaltert. Darüber hinaus fehlt es immer noch an Chancengleichheit in Europa sowie an Aufstiegschancen. Die ständig abnehmenden Schülerzahlen sind da nur eine zwar leidvolle aber logische Konsequenz.

DVTA und BVpta fordern Unionsparteien, FDP und Bündnis 90/Die Grünen dringend dazu auf, wirksame Lösungsansätze für dieses Problem im jetzt verhandelten Koalitionsvertrag zu verankern.

Wenn intensiv über die Stärkung der Heimat gesprochen werde, gehöre dazu auch die Sicherung der gesundheitlichen Grundversorgung vor Ort. Digitalisierung ist wichtig. Sie kann aber die persönliche Zuwendung auch und besonders durch TA nicht ersetzen, auf die Menschen in Not und Krankheit dringend angewiesen sind. Die beiden Verbände fordern schnellstmöglich neue Ausbildung- und Berufsgesetze, die dazu beitragen die TA-Berufe wieder attraktiver zu machen und so den Nachwuchsmangel zu beheben. Werden hier nicht schnell die Weichen auf einen in die Zukunft gerichteten Weg gestellt, droht dem Gesundheitssystem schon bald der unvermeidbare „Kollaps von unten“!